Schauspielagentur wechseln: Der DSGVO-konforme Leitfaden in 5 Schritten
Schauspielagentur wechseln ohne verbrannte Brücken — inkl. DSGVO-Schritten und Muster-Kündigung zum direkten Einsetzen.
Stand: September 2026
Warum dieser Artikel überhaupt existiert
In englischsprachigen Schauspiel-Communities (etwa auf r/acting) kursieren immer wieder Berichte nach demselben Muster: Eine Schauspielerin lehnt ein Casting höflich ab — und verliert kurz darauf ihre Agentur, über Nacht, per Kurznachricht.
Solche Geschichten sind in DACH seltener, weil unsere Arbeitsweise formaler ist. Aber der zweite Fall ist verbreitet: Schauspieler:innen, die sich trennen wollen, aber nicht wissen, wie — und dabei monatelang zwischen alter und neuer Agentur hängen, weil die DSGVO-Dinge nicht gemacht wurden.
Als Inhaberin der Hamburger Agentur Haie & Reiher sehe ich beide Seiten. Hier ist der Leitfaden, den ich meinen eigenen Kolleg:innen gebe, wenn sie fragen.
Wann ein Wechsel wirklich sinnvoll ist
Bevor wir zum Wie kommen — kurz zum Ob. Ein Wechsel kostet dich 6–12 Wochen Produktivität. Er kostet dir Mental-Bandbreite. Und er hinterlässt Spuren im Netzwerk. Entscheide dich nur, wenn mindestens drei der folgenden sieben Alarmzeichen zutreffen:
- 1Dein:e Agent:in antwortet seit 4+ Wochen nicht auf Mails — ohne Abwesenheitsnachricht
- 2Du wirst seit 6+ Monaten aktiv nicht mehr vorgeschlagen — bei passenden Castings
- 3Die Agentur weigert sich, neue Profile/Fotos zu aktualisieren — trotz deiner Lieferung
- 4Bei Vertragsverlängerung wurden Konditionen ohne Absprache verschärft
- 5Du erfährst Castings, für die du perfekt gewesen wärst, durch andere Kolleg:innen
- 6Misgendering, falsche Altersangaben, falsche Kategorien — die nach Hinweis nicht korrigiert werden
- 7Vertrauensbruch — Informationen weitergegeben, die vertraulich waren
Einzelne Alarmzeichen sind oft Missverständnisse. Drei davon sind ein Muster.
Wer in Panik wechselt, landet häufig in derselben Dynamik. Wer nach klarer Analyse wechselt, gewinnt.
Schritt 1: Vertrag prüfen — welche Kündigungsfrist gilt wirklich
Die meisten Schauspielagentur-Verträge in DACH sind keine klassischen Arbeitsverträge, sondern Vertretungsverträge — rechtlich Vertrauensverhältnisse nach § 627 BGB. Das bedeutet: Du kannst jederzeit kündigen, ohne Grund, ohne Frist, solange im Vertrag nichts anderes steht.
Viele Agenturen schreiben trotzdem Kündigungsfristen rein — oft 3 Monate zum Quartalsende. Die Rechtsprechung (OLG Celle, 2021) ist hier deutlich: Ein formularmäßiger Ausschluss des Kündigungsrechts nach § 627 BGB in Agenturverträgen ist regelmäßig unwirksam, wenn er die vertretene Person unangemessen benachteiligt.
- „Kündigung" oder „Beendigung"
- „Frist" oder „Laufzeit"
- „Exklusivität" oder „Wettbewerbsverbot"
Notiere, was da steht. Wir prüfen gleich, was davon wirklich gilt.
Schritt 2: Die Kündigung schreiben — was rein muss, was raus
Wichtig vorab: Eine Kündigung ist ein formaler Akt. Schick sie schriftlich (E-Mail mit Lesebestätigung oder besser: Einschreiben mit Rückschein). Vermeide Begründungen, Anschuldigungen, emotionale Sätze.
Hier ist das Muster, das ich rausgebe:
“Betreff: Kündigung des Vertretungsvertrags vom [Datum]
Sehr geehrte Frau / Herr [Name],
hiermit kündige ich den zwischen uns geschlossenen Vertretungsvertrag vom [Datum] gemäß § 627 BGB mit sofortiger Wirkung.
Bitte stellen Sie die aktive Vermarktung meiner Person umgehend ein. Laufende Casting-Prozesse, bei denen ich bereits vorgeschlagen wurde, bitte ich Sie bis zum Abschluss zu betreuen — darüber hinaus soll keine neue Vertretung erfolgen.
Gleichzeitig bitte ich um Bestätigung dieser Kündigung sowie um Auskunft gemäß Art. 15 DSGVO über alle zu meiner Person gespeicherten Daten. Die Löschung meiner Daten, Fotos und Profile auf Ihren Webseiten, Datenbanken und bei verbundenen Casting-Plattformen (Crew United, Castforward, StagePool, Casting Network, ZAV) erbitte ich gemäß Art. 17 DSGVO innerhalb von 14 Tagen.
Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanke ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
[Dein Name]
Was du weglässt: „Ich bin enttäuscht, weil…" — „Sie haben X versäumt…" — „Sie haben mir zugesichert…". Jede Begründung öffnet eine Diskussion. Du willst keine Diskussion, du willst eine Kündigung.
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Schritt 3: DSGVO — Löschung und Datenportabilität
Die meisten Schauspieler:innen lassen den wichtigsten Teil weg. Die DSGVO gibt dir zwei mächtige Werkzeuge:
- Dein Profil auf der Agentur-Website
- Fotos, Videos, Self-Tapes, Reel
- Kontaktdaten auf Casting-Plattformen (verbunden über ihre Logins)
- Kopien von Verträgen, sobald die Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist
Art. 20 DSGVO — Datenportabilität: Du hast das Recht, deine Daten in einem gängigen Format herauszubekommen. Das betrifft insbesondere Vita, Rollenbeschreibungen, Castings-Historie — alles, was dir die neue Agentur sofort weitergeben kann.
Formulierung direkt in der Kündigungsmail (siehe oben). Wenn die Agentur nach 14 Tagen nicht reagiert, geht eine Erinnerung raus. Nach 30 Tagen ist die Bundesbeauftragte für den Datenschutz (bfdi.bund.de) zuständig.
DSGVO ist dein stärkster Hebel beim Agentur-Wechsel. Die meisten Agenturen reagieren innerhalb von 3 Werktagen, wenn du sie formal zitierst.
Schritt 4: Casting-Profile selbst übertragen
Hier ist der Fehler, den 8 von 10 Schauspieler:innen beim Wechsel machen: Sie warten darauf, dass die alte Agentur die Profile auf Crew United, Castforward, StagePool und Casting Network übergibt. Das passiert selten reibungslos. Besser:
- 1Crew United: Logg dich selbst ein (falls du Admin-Rechte hast), sonst schreib den Support an. Die Agentur wird aus deinem Profil entfernt, das Profil bleibt unter deinem Namen.
- 2Castforward: Entsprechend. Support ist meist binnen 24 Stunden da.
- 3StagePool: Dein Profil gehört dir, die Agentur-Verknüpfung lässt sich im Dashboard selbst entfernen.
- 4Casting Network: Eine direkte Mail an den Support regelt das in Stunden.
- 5ZAV Absolventenkatalog: Falls relevant, direkt an die ZAV.
Das sind insgesamt 30 Minuten Arbeit — und sie sind entscheidend für Schritt 5.
Schritt 5: Neue Agentur anschreiben — was du NICHT sagen solltest
Wenn du mit der neuen Agentur sprichst, gilt eine Regel: Sprich nicht negativ über die alte. Nicht einmal mit Augenzwinkern. Agentur-Szene ist klein, alle reden miteinander, und wer über die Ex-Agentur schimpft, wirkt wie jemand, der in zwei Jahren über die neue schimpft.
Die bessere Formulierung:
“„Mit Frau [Name] habe ich die Zusammenarbeit einvernehmlich beendet. Ich suche jetzt eine Agentur, die [konkret: Schwerpunkt / Genre / Größe] bietet, und habe mich in Ihrem Profil wiedergefunden."
Punkt. Keine Details. Wenn nachgefragt wird, kannst du sachlich antworten („andere Schwerpunkte", „Entwicklungsrichtung passte nicht mehr"), aber geh nie ins Persönliche.
Was tun, wenn die Agentur nach Audition-Absage plötzlich droppt?
Das ist der umgekehrte Fall: nicht du kündigst, sondern die Agentur. Meist per kurzer Mail oder Anruf.
- 1Zeitliche Protokollierung: Screenshots, Dateidatum der Kündigungsmail — das wird später wichtig.
- 2Frage nach schriftlicher Bestätigung — wenn sie mündlich kam. „Könnten Sie mir die Beendigung unseres Vertrags schriftlich bestätigen?"
- 3DSGVO-Löschung einfordern — gleicher Text wie oben, gleiche Frist.
- 4Kein öffentlicher Kommentar — weder Instagram-Rant noch LinkedIn-Post.
- 5Direkt mit neuen Agenturen sprechen — 48 Stunden später. Der Markt hat ein kurzes Gedächtnis.
Solche Geschichten haben oft ein gutes Ende: Wer ruhig bleibt, findet nicht selten binnen weniger Wochen eine bessere Vertretung. Der Markt belohnt häufig, wer besonnen handelt.
Eine Kündigung durch die Agentur ist ein Signal — nicht für dich als Talent, sondern für den Markt zwischen dir und dieser Agentur. Handle sachlich, dann findet sich oft schnell eine bessere Alternative.
Während der 48-Stunden-Lücke
Zwischen „Kündigung raus" und „neue Agentur da" liegen oft 6–12 Wochen. In dieser Zeit bist du technisch ohne Vertretung — und trotzdem sichtbar. Drei Dinge zählen:
- Eigene Social-Profile laufen weiter — Instagram, TikTok, LinkedIn zeigen, dass du aktiv bist
- Dein Showreel ist weiterhin online und verlinkt — unabhängig von jeder Agentur
- Direkte Anfragen nimmst du höflich selbst entgegen — mit dem Hinweis, dass deine Vertretung gerade gewechselt wird
Genau hier setzt CutToFame an: Wir produzieren parallel Short-Content aus deinem bestehenden Material, der deine Sichtbarkeit durch den Wechsel trägt. Das Potenzial-Paket wandelt 1–2 Self-Tapes in 3 plattformoptimierte Shorts für 79 €. Die Monatspakete ab 99 €/Monat bauen dir einen eigenen Content-Feed auf — der auch dann sichtbar bleibt, wenn du gerade zwischen zwei Agenturen stehst.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Kündigungsfrist bei einer Schauspielagentur in Deutschland?
Wenn im Vertrag nichts steht: sofort, gemäß § 627 BGB (Vertrauensvertrag). Wenn eine Frist drin steht, ist sie oft unwirksam, sofern sie keine klare Gegenleistung bietet. Im Zweifel: Anwalt oder BFFS-Rechtsberatung einschalten.
Darf die Agentur meine Fotos und Profile nach Kündigung weiter nutzen?
Nein. DSGVO Art. 17 verpflichtet zur Löschung binnen angemessener Frist (in der Praxis 14–30 Tage). Bei Nicht-Erfüllung: Bundesbeauftragte für den Datenschutz einschalten.
Muss ich meine Kündigung begründen?
Nein. Eine Begründung ist rechtlich nicht erforderlich und taktisch meist kontraproduktiv. Eine formale, höfliche Kündigung ohne Gründe ist der Standard.
Was passiert mit noch laufenden Castings, wenn ich wechsle?
Die alte Agentur führt laufende Castings zu Ende, auch Auszahlungen aus diesen Projekten gehen noch über sie. Neue Anfragen laufen ab Tag der Kündigung über dich direkt oder über die neue Agentur.
Wie schnell darf ich zur neuen Agentur?
Rechtlich: sofort. Taktisch: Kläre erst die Altlasten (laufende Castings, DSGVO, Casting-Plattformen), dann unterschreibst du mit der Neuen. Sonst bekommst du Doppelstrukturen, die Castings verwirren.
Brauche ich einen Anwalt für die Kündigung?
In 95 % der Fälle nein. Der BFFS bietet Rechtsberatung für Mitglieder. Bei komplexen Verträgen (Exklusivverträge, Wettbewerbsklauseln) kostet eine einmalige anwaltliche Prüfung 150–400 €.
Social Media ohne den Stress?
CutToFame übernimmt den kompletten Workflow: Vom Rohmaterial zum fertigen Clip auf allen Plattformen. Du musst nichts schneiden oder posten.
Full-Service · Für Schauspieler · Deutschsprachig